Mehr Ideen als Wochenenden
Bei diesem Blog schreibt eine KI mit, auch bei diesem Beitrag. Wie das aussieht, steht am Ende.
2014 habe ich in einer Uni-Arbeit über mein erstes interaktives Lernvideo einen Satz geschrieben, der mich heute schmunzeln lässt: Die Programmierkenntnisse für die Quizfragen seien zwar elementar, aber sie könnten „bei Lehrerinnen und Lehrern nicht vorausgesetzt werden“.
Das Video handelte von Achilles und der Schildkröte, gemacht für meinen Mathematik-Leistungskurs und den umgedrehten Unterricht. Freie Software, alles von Hand gezeichnet. An festen Stellen hielt es an und stellte eine Quizfrage; wer falsch antwortete, landete auf einer Hilfeseite. Die Quizfunktion habe ich selbst in HTML5 und JavaScript geschrieben. Auf einem Tablet lief das Ganze damals noch nicht. Dazu kamen ein Aufwand, den ich unterschätzt hatte, und die Überwindung, sich selbst aufzunehmen.
Zwölf Jahre später ist keine dieser Hürden mehr da. Wer ein Werkzeug haben will, muss dafür nicht mehr programmieren können. Erklärvideos entstehen weitgehend von selbst und sprechen mit meiner Stimme, ohne dass ich jedes Mal ins Mikrofon spreche. Die Idee ist dieselbe geblieben. Neu ist, dass sie in Serie gehen kann.
Ich führe Regie
Ich bin Bastler, kein Softwareentwickler. Seit Jahren baue ich mir die Werkzeuge, die mir im Unterricht fehlen: 2019 eine Videoanalyse für die Physik, kurz darauf den Animationstisch für die Informatik, in der Corona-Zeit „tablica“, eine Tafel im Browser. Die war als Notlösung für den Fernunterricht gedacht und blieb Jahre im Einsatz. Meine eigene Unterrichts-Website schlief irgendwann ein, weil der Betrieb zu viel Arbeit machte. Vieles scheiterte an der Zeit, nicht an den Ideen.
Heute programmiere ich fast nur noch per Vibe Coding: Ich beschreibe, was ich will, und die KI schreibt den Code. Was dabei herauskommt, beherrsche ich mehr oder weniger. Dafür hat sich verlagert, wo meine Zeit hingeht. Früher blieb sie in der Umsetzung hängen, heute steckt sie in der Idee, in der Auswahl, im Prüfen und in der Doppelstunde, in der sich zeigt, ob das Ganze taugt. Meine Ideenliste war immer länger als meine Wochenenden. Jetzt wird mehr davon fertig, und die gewonnene Zeit geht in die Frage, welche Idee es wert ist. Dass ich vorher jahrelang selbst gebastelt habe, hilft dabei: Ich sehe, ob das taugt, was die KI baut.
Im Juli 2026 habe ich die Videoanalyse und den Animationstisch von damals an einem einzigen Tag neu bauen lassen, wenige Tage später kam der Physiktisch dazu. Die alten liefen, und ich war froh darüber. Ansprechend waren sie nicht. Die neuen laufen im Browser, ohne Konto, und sind fürs Tablet gemacht. Im Unterricht waren sie bisher kaum im Einsatz; wie sie sich dort schlagen, wird sich zeigen. Zu finden sind sie unter Werkzeuge.
Was hier erscheint
Nebenprodukte. Einen Redaktionsplan gibt es nicht; die Beiträge fallen ab, wenn ich Unterricht vorbereite, Material baue, herumspiele oder mich verlaufe. Sie kommen deshalb unregelmäßig, und die Irrwege gehören dazu, sofern du etwas daraus mitnehmen kannst. Von der KI berechnete Zahlen in Klausuraufgaben zum Beispiel sind oft plausibel und trotzdem falsch. Nachrechnen. Meine Stunde zum Reflexionsgesetz hat die 90 Minuten gesprengt; seitdem gibt es weniger Folien, einen klaren Kernweg und Reserve zum Weglassen.
Claude Code ist ein Werkzeug für Softwareentwickler. Ich schreibe damit Arbeitsblätter, Folien und Klausuren. Für einen Bastler ist das der Normalfall: Man nimmt, was da ist, und schaut, was geht. Drei Kostproben, jede bekommt später einen eigenen Beitrag.
Die Tipps auf meinen Arbeitsblättern stehen auf dem Kopf. Erst selbst nachdenken, dann Blatt oder Tablet drehen. Das kostet nichts.
Erklärvideos bauen sich fast von selbst. Folien und Sprechtext entstehen im Gespräch mit der KI, Marker im Text steuern Folienwechsel und Hervorhebungen, dazu kommen Untertitel und Kapitelmarken. Die Stimme ist meine, lokal nachgebildet. Sie entsteht auf dem sparsamen Kleinrechner statt auf dem schnelleren PC, das dauert rund die Hälfte länger und braucht deutlich weniger Strom. Die erste Reihe ist für Mathematik in internationalen Klassen gedacht, später auch in mehreren Sprachen.
Ein KI-Tutor begleitet die additive Farbmischung und gibt den Lösungscode erst heraus, wenn im Gespräch erkennbar wird, dass jemand verstanden hat. Damit der Prompt nicht einfach mitgelesen wird, ist er verschleiert: ins Japanische übersetzt und in kyrillischer Lautschrift notiert. Drei von vier getesteten Assistenten kamen damit zurecht. Sicher ist das nicht, für den Klassenraum sollte es reichen.
Bedien dich
Alles, was hier steht, ist zum Mitnehmen gedacht. Probier es aus, übernimm es, passe es an dein Fach, deine Klasse und deine Geräte an, baue es weiter.
Dahinter steckt auch eine Rechnung. In jedem dieser Werkzeuge stecken Rechenzeit, Strom und meine Arbeit. Bleibt es in meinem Ordner, hat sich der Aufwand einmal gelohnt. Teile ich es, kann er sich oft lohnen. Die Software wird demnächst auf GitHub veröffentlicht.
Wenn du dir selbst etwas bauen lassen willst, ist hier ein Startpunkt für deinen eigenen Assistenten. Er ist ein Anfang und kein Rezept:
Ich unterrichte [Fach] in [Jahrgang]. In meiner Stunde zu [Thema] fehlt mir [ein Werkzeug, das …]. Baue mir eine einzelne HTML-Datei, die im Browser läuft, ohne Konto und ohne Upload, und die sich auf dem Tablet bedienen lässt. Stelle mir Rückfragen, bevor du anfängst.
Eine Grenze gibt es: Personenbezogene Daten von Schüler:innen gehören in kein KI-Werkzeug. Keine Namen, keine Noten, keine Fotos, keine Klausuren mit Namen darauf. Dazu gelten die Regeln deiner Schule.
Als Nächstes bekommt die Übersetzungs-Pipeline einen Beitrag, mit der ich Material mehrsprachig mache.
Entwurf von Claude Code, auf Grundlage meines Arbeitstagebuchs, meiner Chats und einiger alter Texte von mir. Überarbeitet habe ich ihn selbst.